Che vuoi? Mafia und die Hysterie der Männer.

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Auszug:
Was wollen die andern von mir? Wie wollen die andern mich haben? Und: Auf welche Weise muss man wollen, um als Mann (oder Frau) zu gelten? So und ähnlich fragt sich der Neurotiker unablässig und der endlose Versuch, jenes rätselhafte Begehren der Anderen, mit dem er sich konfrontiert sieht, zu entschlüsseln, macht ihn hysterisch. Und doch findet das Subjekt gerade in diesem Begehren des Andern  sein eigenes: „Das Begehren des Menschen [ist] das Begehren des Andern“, so wird Lacan nicht müde zu wiederholen. So etwas wie ein genuines, eigenes Begehren gibt es gar nicht, vielmehr wird es immer induziert und angetrieben durch den ominösen Andern und dessen fragwürdigem Begehren.

[…]

Die Hysterie als Frage des Begehrens betrifft alle „Sprechwesen“ (parlêtres), wie sie Lacan nannte, unabhängig von ihrer Geschlechterzugehörigkeit gleichermaßen. Und doch mag es verwundern, dass man das Funktionieren dieses hysterischen und hysterisierenden Diskurses ausgerechnet an einer reinen Männergesellschaft exemplarisch studieren kann und noch dazu einer, die man auf den ersten Blick so gar nicht mit den gewohnten Vorstellungen von männlicher Hysterie assoziieren würde: der Mafia. Nicht umsonst könnte der Ausspruch „Che vuoi?“ von den Lippen eines italienischen Mafioso stammen, denn tatsächlich ist gerade das System der Mafia von dieser hysterischen Frage dominiert.

[in: Martina Läubli, Sabrina Sahli (Hg.): Männlichkeiten denken. Aktuelle Perspektiven der kulturwissenschaftlichen Masculinity Studies. Bielefeld: Transcript 2011. S. 285-302.]

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