Drei Essays im Reclam-Band „Classical Hollywood“


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… Inmitten einer von Industriefarben vergifteten Natur, erscheinen denn auch die Figuren von «Leave Her To Heaven» wie Zombies. Richards Gesicht wirkt in Technicolor als wäre es auf den Kopf gemalt – eine blosse Projektion. Nicht umsonst gefällt er Ellen darum so gut, weil er nicht wie er selbst aussieht, sondern das Gesicht ihres Vaters hat. Diesen hingegen zeigt uns der Film nur als graue Fotografie und als graue Asche, welche Ellen auf den roten Hügeln um ihre Ranch ausschüttet. Für einen Moment, wechselt Stahl für diese Beerdigungsszene ins Genre des Western, mit Bedacht: Was wir sehen, ist die Geburt eines Mythos. Indem man den toten Vater in alle Winde verstreut, sichert man seine Macht. Er ist nun überall, heftet sich als Staub an die Fersen aller Anwesenden. Und die Tochter bleibt dem Vater treu. Auch bei ihr entpuppt sich der eigene Tod als ultimative Demonstration ihrer Macht…

aus dem Text zu «Leave Her to Heaven» (Regie: John M. Stahl), S. 285-291.

 


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…statt Theater abzufilmen, soll die Kamera gerade jene Ansichten ermöglichen, die ein reales Publikum niemals haben könnte. So leben denn auch Berkeleys Inszenierungen nicht von den tänzerischen Fähigkeiten der einzelnen Darsteller als vielmehr von der Agilität der filmischen Darstellung selbst. Die Kamera, die sich über die Tanzenden aufschwingt oder frivol zwischen die Schenkel der Showgirls schlüpft, sie ist der eigentliche Solist, dessen elegante Bewegungen hier gefeiert werden…

aus dem Text zu «Gold Diggers of 1933» (Regie: Busby Berkeley, Mervyn LeRoy), S. 121-127.

 

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… Übersteigerung ist seine Natur. Schon der Name sagt’s: Dem Melodram ist das Drama nicht genug, es will die Melodie noch dazu – zur Intensivierung. Darum auch das Faible des Kinomelodrams für andere Gefühlsverstärker, für ausgeklügelte Licht- und Schattenspiele und später für grelle Farben. Solche Überhöhungen wirken umso beeindruckender, je prosaischer das Sujet ist. In dieser paradoxen Verschränkungen von extremer Form und alltäglichem Thema liegt die Eigenart des Hollywood-Melodrams der Fünfziger Jahre. Nirgends lässt sich das besser zeigen als mit der Vorspannssequenz von Vincente Minnellis «Some Came Running»: Die unheilschwanger donnernde Filmmusik Elmer Bernsteins überflutet das Gehör und das Auge versinkt im monumentalen Breitbild und seinen kräftigen Farben. Doch der Anlass, um dessentwillen dieser Exzess filmischer Mittel veranstaltet wird, könnte banaler nicht sein: Die Kamera zeigt das Innere eines Reisebusses, darin ein G.I. der betrunken auf seinem Sitz eingenickt ist. Das ist das Versprechen, welches das Melodram seinen Zuschauern, den Hausfrauen und Kleinbürgern macht: Gerade das Alltäglichste wird Schauplatz exaltierter Emotionen werden…

aus dem Text zu «Some Came Running» (Regie: Vincente Minnelli), S. 385-391.

In: «Stilepochen des Films. Classical Hollywood» Hrsg.: Bronfen, Elisabeth; Grob, Norbert

400 S. 21 Abb. ISBN: 978-3-15-019015-9 (auch als eBook erhältlich)

Leseprobe & Bestellung unter folgendem Link: reclam.de oder unter: amazon.de

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